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Die Kirche am Steinhof – Otto Wagner Kirche

Jugendstilperle von Baumeister Otto Wagner

Die „Kirche zum Heiligen Leopold“, gebaut von Otto Wagner, ist eines der Hauptwerke des Jugendstils in Wien. Immer wieder fragen Gäste danach und da ich ein großer Fan des Jugendstils bin, habe ich mich unlängst selbst auf den Weg gemacht um mir diesen Geheimtipp genauer anzusehen.

„Steinhof“, in der damaligen Zeit eine moderne Nervenheilanstalt „Irrenanstalt“ und auch heute noch als Krankenhaus genutzt, entstand auf den südlichen Ausläufern des Wilhelminenberges in der damaligen oft üblichen „Pavillon-Form“. Otto Wagner hatte einen Entwurf erstellt, wurde später aber „nur“ mit dem Bau der Kirche der Heilanstalt beauftragt.

Eingang in die Otto Wagner Kirche

Eingang in die Otto Wagner Kirche

Von 1904 bis 1907 konnte Otto Wagner endlich seine theoretischen Kenntnisse über den Kirchenbau in die Praxis umsetzen. An der höchsten Stelle des Spital Areals wurde der am besten geeignete Platz für die Kirche gefunden. Aus obersten kirchlichen Kreisen wurde die Erlaubnis erteilt, aufgrund des Lichteinfalls, bei dieser Kirche den Haupteingang von Süden her zu planen. Um allen Besuchern eine gute Sicht zu bieten, sollte die Kirche, im Gegensatz zu üblichen Kirchenbauten, ein Zentralbau mit viel Lichteinfall werden.

„Lemonikirche“

Die Krönung war die besondere Kuppel, die wesentlich das Erscheinungsbild der Kirche prägt. Dadurch entstand eine besondere Statik, die zuließ, dass der Innenraum der Kirche säulenfrei, symmetrisch und hell erscheint. Die Kuppel hatte eine Ähnlichkeit mit einer Limone, deshalb wurde das Spitalsgelände auch im Wiener Volksmund Lemoniberg, bzw. die Kirche „Kirche am Lemoniberg“ genannt.

Einige Besonderheiten, die sich Otto Wagner für Patienten, deren Angehörige, Ärzte und Pflegepersonal als Kirchenbesucher, unter einer für die damalige Zeit modernen Sichtweise, einfallen ließ:

  • Vom Südeingang der Kirche bis hin zum Hauptaltar gibt es einen abschüssigen Boden (bis zu 26cm) Unterschied, somit konnte man aus damaliger hygienischer Sicht, den Kircheninnenraum leichter aufwaschen, auch die hinteren Reihen hatten eine gute Sicht.
  • Kirchenbänke mit abgerundeten Ecken, tiefen Sitzflächen zum bequemeren Verweilen, sowie Kupfer-Belägen am Fuß der Bänke als Stolperschutz.
  • Die verschieden langen Kirchenbänke sind deshalb vorhanden, da die Patienten als ruhig, halbruhig oder unruhig eingestuft wurden. Es gibt kurze Kirchenbänke für 4 Personen Platz, wobei die/der unruhige Patient/en rechts und links von einer Pflegekraft betreut wurden, die anderen Sitzreihen für bis zu 6 Personen, blieben allen anderen vorbehalten.

    Wasserbecken

    Wasserbecken

  • Die Kanzel der Kirche ist aus Sicherheitsgründen nur über eine Treppe von der Sakristei aus erreichbar. Ebenso war der Teil der Orgel für Patienten oder nicht Berechtigte nicht zugänglich.
  • Es gab ein Notfallzimmer, welches bei Kirchenbetrieb immer mit einem Arzt besetzt war.
  • Otto Wagner hatte sogar durchgesetzt, eine Toilette in der Kirche einzubauen. Für die damalige Zeit – eine Revolution.
  • Reinigung ist in vielen Religionen ein Ritual, das am Beginn eines Gottesdienstes liegt. Der Weihwasserbehälter, von Otto Wagner konstruiert, hatte die Idee, das Weihwasser in einen hängenden Behälter zu füllen, dieses tropfte dann in die darunter liegende Schale. Gläubige fingen die Tropfen mit den Fingern auf, damit wurden Infektionen vermieden.

Otto Wagner Kirche in neuem Glanz

Renovierte Glasfenster

Renovierte Glasfenster

Von 2000 bis 2006 wurde die Kuppel mit Blattgold neu vergoldet und der Tamboursockel der Kuppel mit Kupferblechen neu belegt. Die 1800m² Fassade aus Marmor, sowie die Heiligenfiguren auf den beiden Glockentürmen (Heiliger Severin im Ostturm und der Heilige Leopold im Westturm), sowie die Engelsfiguren wurden restauriert. Die Mosaikbilder in der Kirche sowie der Hauptaltar und die Kanzel wurden ebenfalls neu vergoldet. Sogar die Kirchenbänke, Beichtstühle und die Sessio sind überarbeitet worden. Zudem wurden sämtliche Leuchten und Wandapplikationen gereinigt und neu vergoldet.

Sie sehen schon, ein Besuch der Otto Wagner Kirche ist „Goldes wert“. Sogar Kirchenführungen werden angeboten, immer samstags um 15.00 und sonntags um 16.00 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Nehmen Sie ab dem Dr. Karl Kenner Ring die U3 Richtung Volkstheater und dort den Autobus 48A zur Station „Otto Wagner Spital“. Betreten Sie das Spitalsgelände und gehen Sie Richtung Norden (rechts vom davorliegenden Gebäude) mit leichtem Anstieg bis zur Kirche. Geh-Zeit ca. 10min von der Busstation bis zur Kirche.



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