Wien erleben
Wien-Blog der Schick Hotels & Restaurants
 

Wiener Würste und Wiener Würstelstand

Fast food auf Wienerisch

Kennen Sie das auch? Sie bummeln durch die Stadt, haben viel eingekauft und dann grummelt der Magen. Oder Sie sind mit Freunden zu später Stunde in der City unterwegs und der kleine Hunger kommt? Oder Sie waren sehr stilvoll und elegant bei einem der vielen tollen Wiener Bälle, und nach durchtanzter Nacht haben Sie noch Lust auf einen Snack? Wohin zieht es Sie dann – zu einer der amerikanischen Burger-Ketten? Oder greifen Sie eher zu einem Thunfisch-Wrap oder zu einem schnellen Salat oder Brötchen? Ich bin ja selbst keine gebürtige Wienerin, aber einer kross-gebratenen Käsekrainer oder einer gebräunten Bratwurst oder einer köstlichen Leberkäs-Semmel hin und wieder kann ich nicht widerstehen. Für viele Ballbesucher ist der abschließende Würstelstandbesuch schon fast Pflicht und gehört zu einer gelungenen Ballnacht einfach fix dazu.

Kleine Geschichte zur Wurst

Der erste bekannte Wurstesser der Geschichte war angeblich Antinoos, der Sohn des Eupithes, den Homer in seiner Odyssee – Zitat: „Ziegenmägen, mit Fett und Blute gefüllet, die wir zum Abendschmaus auf glühenden Kohlen geleget …“ verzehren ließ, vergleichbar mit der heutigen Blutwurst. In den nächsten Jahrtausenden sollte die Wurst einen wahren Siegeszug durch die Kulinarik der abendländischen Kultur absolvieren.

In Wien wurde die Wurst erstmals so richtig populär nach den napoleonischen Kriegen und dem Staatsbankrott 1811, als sich die Wiener nach einem knusprigen Braten sehnten, Fleisch oder Wild aber zu teuer geworden waren. „Durri, durri!“ („Harte, Harte!“), priesen die italienischen Salamucci, die Salamiverkäufer, im barocken Wien ihre Waren an. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde für Wurstwaren hauptsächliche Rind- und Schweinefleisch, aber auch Kalbfleisch verwendet. Dennoch gab es damals in Wien grundsätzlich nur acht Wurstsorten: Selchwürste, Cervelade (damals eine Kochwurst aus Schweinefleisch), Extrawurst, Bratwurst, Leberwurst, Blutwurst, Augsburger  und Presswurst, später kam noch die Knackwurst dazu. Bereits ein halbes Jahrhundert später hatten die Wiener Fleischhacker aufgerüstet – mehr als 20 Wurstsorten wurden angeboten, darunter eine echte, in Wien-Simmering erzeugte Nürnberger, außerdem Braunschweiger, Gothaer, Debrecziner, rheinische und polnische Würste.

Donnerstags und freitags gab es in den Wiener Gasthäusern Wursttage, lediglich als das „Gulasch“ Wien eroberte, erlebte die Wurst eine kurze Krise – die typisch wienerische Lösung war die Verbindung von beidem, die „Würstel mit Saft“ waren erfunden.

Frankfurter Würstel klassisch

Frankfurter Würstel klassisch

Das Frankfurter Würstel (oder Wiener Würstchen)

Eine Wurst schaffte es gar zu Weltruhm – das Frankfurter Würstel. Johann Lahner, der 1804 nach Wien kam und an der Ecke der Altlerchenfelder Hauptstraße im Haus Nr. 56 die ersten „Lahner’schen Würstel“ herstellte, gilt als Erfinder der Kreation, die er später Frankfurter Würstel nannte und die außerhalb Wiens als „Wiener Würstchen“ bezeichnet werden.

Die wienerische „Fast food“-Institution – der Würstelstand

Die Geschichte des Würstelstandes reicht bis in die k.u.k. Monarchie zurück. Erfunden wurden sie, um Kriegsinvaliden die Möglichkeit eines Einkommens zu sichern – die ersten Würstelstände wurden von ehemaligen Soldaten betrieben. Der älteste, noch bestehende Würstelstand in Wien ist „Leos Würstelstand“, den es seit 1928 gibt. Bei wirklich „originalen“ Wiener Würstelständen findet man auch Wiener Schmäh zum Würstel – dann wird aus einer Käsekrainer mit einem „Scherzl“ Brot „a Eitrige mit an Buckl“, begleitet von „an 16er-Blech“ (eine Dose „Helles“ Bier, mit Vorliebe von der Wiener Ottakringer Brauerei). Ein unterhaltsames „Würstel-ABC“ finden Sie unter http://wien-wuerstelstand.at/wuerstel-abc.html – damit Sie auch alles verstehen, was so vor Ort manchmal gesprochen wird.

Würstel-Vielfalt

Zu den beliebtesten Wurstsorten am Wiener Würstelstand zählen außer der Käsekrainer außerdem Frankfurter, Burenwürste, Waldviertler, Bratwürste und Debrecziner. Auch Leberkäse in verschiedenen Varianten wird gerne gegessen. Dazu schmaust man je nach persönlicher Vorliebe eine Semmel oder Brot, Essiggurkerl, Pfefferoni oder Silberzwiebeln, begleitet von scharfem oder süßem Senf, Kren oder Ketchup.  Zum Sortiment gehören auch Hot Dogs, Bosna, Schnitzelsemmel, Langos, Pommes frites, Rollmops und – als Nachspeise – Manner Schnitten oder Pischinger Ecken. Im Winter bekommt man oft auch Braterdäpfel, Erdäpfelpuffer oder Maroni. Ob man dazu eine Flasche oder eine Dose Bier oder etwas Alkoholfreies trinkt, bleibt dem eigenen Gusto überlassen.

Wiener Wirtschaft Currywurst

Wiener Wirtschaft Currywurst

Die beliebtesten und bekanntesten Wiener Würstelstände sind der „Bitzinger“ bei der Albertina, der Würstelstand am Hohen Markt, der Naschmarkt Würstelstand (Stand-Nr. 67), der „Kiosk“ in der Schleifmühlgasse in Wieden, der Würstelstand zur Oper und der Würstelstand „Leo“, den es  – wie bereits erwähnt – seit 1928 gibt. Spezialitäten „vom Würstelstand“ wie zum Beispiel eine hauseigene Currywurst finden Sie auch in der „Wiener Wirtschaft“ – dem Wirtshaus unter den drei Schick-Restaurants.

Internationale Einflüsse

Gleich vorweg – ungefähr 1,4 Milliarden Euro werden jährlich in Österreich von internationalen Fast food-Ketten und Kebab-Ständen erwirtschaftet, die Hälfte davon in Wien, Tendenz steigend. Angeführt wird das Ranking von McDonalds, Burger King, Nordsee und Starbucks. Ergänzt wird das internationale Spektrum von italienischen und chinesischen Restaurants, japanische, indische, thailändische, griechische und viele weitere Küchen bilden eine zusätzliche Konkurrenz für die Würstelstände, bereichern aber auch das Sortiment und das Angebot an unterschiedlichen Köstlichkeiten und erweitern die kulinarischen Horizonte.

Dennoch – eines können all diese internationalen Restaurants und Lokale meiner Meinung nach nicht bieten, nämlich die vielfältigen Gäste, die an den Wiener Würstelständen oft aufeinandertreffen. Ob Jung oder Alt, gut betucht oder armer Schlucker, betrunken oder nüchtern, Herr Hofrat in feinem Maßanzug  oder Bauarbeiter in Arbeitskleidung, Single-Student oder Familie mit Kindern, Ballkönigin oder Obdachloser – interessantere Konstellationen findet man selten so an einem Ort versammelt, wie am Wiener Würstelstand!

Bildquelle / Top Image:  Wiener Würstelstand, Copyright by Moritz Schell