Wien erleben
Wien-Blog der Schick Hotels & Restaurants
 

Wiener Wein und Gemischter Satz

Eine Wiener Erfolgsgeschichte

Diesmal verlautbare ich gleich zu Beginn eine persönliche Meinung von mir: Wien hat den schönsten Stadtrand der mir bekannten Großstädte – weil hier Weinbauern mit viel Herz, Idealismus und Leidenschaft das Land kultivieren. Die sogenannte „Stadt“ geht fließend ins freie Land über, die Weingärten sind von Frühling bis Winter ein ästhetischer und, je nach Jahreszeit, farbenfroher Anblick, die zahlreichen „Heurigen“ laden ein zum Probieren, Genießen und Seele-Baumeln-Lassen… ein besonderes Erlebnis. Der Genuss des Wiener Weins ist während der letzten Jahre glücklicherweise auch in den Top-Restaurants Österreichs nicht mehr wegzudenken. Auch die Schick-Restaurants setzen als alteingesessene Wiener Restaurants auf Wiener Weine der Spitzenklasse.

Geschichte, Fakten und Zahlen heute

Als die alten Römer im 1. Jahrhundert aus dem keltischen Dörfchen Vindobona eine Grenzfestung an der Donau machten, fielen ihnen auch die optimalen Voraussetzungen für den Weinbau auf, der hier bereits betrieben wurde – archäologische Funde beweisen, dass am Nussberg, Kahlenberg und Bisamberg seit 750 v. Chr. Wein angebaut wurde (siehe auch mein  Blog über die „Wiener Heurigen“).

Copyright WienTourismus Lois Lammerhuber

Copyright WienTourismus Lois Lammerhuber

Und heute? – 230 Weinhauer auf 680 ha Rebfläche in 6 Bezirken mit einer Weinernte von 1,69 Mio. Litern, von Grüner Veltliner über Chardonnay bis hin zum Blauen Zweigelt – so kompakt kann es gehen. Von Stammersdorf, Strebersdorf und Jedlersdorf im Norden der Stadt über die Donau nach Nussdorf, Heiligenstadt, Grinzing, Sievering und Neustift am Walde, Dornbach und Ottakring bis ins südliche Mauer und Oberlaa erstreckt sich die Weinregion Wien. Mit einer Größe von 680 ha ist sie die weltweit größte innerstädtische Rebfläche (Quelle: www.wienerwein.at). Urbanes City-Life, gemütliche Heurigenkultur und traditionelles Winzerhandwerk stehen hier nicht im Widerspruch, sondern verschmelzen in harmonischer „Wein-Seligkeit“.

Eine Wiener Weinspezialität – der Gemischte Satz

Woran denken Sie, wenn Sie den Begriff „Gemischter Satz“ hören? Zunächst drängt sich bestimmt keine hochwertige Assoziation auf. Und tatsächlich besteht die Geschichte des „Gemischten Satzes“ aus einer Reihe von Missverständnissen.

Vor dem 2. Weltkrieg wurde in fast allen Weingärten Österreichs Gemischter Satz angebaut und kultiviert – bis zu 20 verschiedene Sorten wurden in einem Weingarten gemischt ausgesetzt, einerseits aus Vorsicht, um einen wetterbedingten Totalausfall zu vermeiden, andererseits konnte man den Wein auf diese Art schon im Weingarten in eine bestimmte  Richtung trimmen. Neuburger und Weißburgunder verliehen Körper und Struktur, Riesling sorgte für die Säure, Müller-Thurgau für die Menge und frühe Trinkbarkeit, Traminer und andere Sorten für die spezielle Note. Gelesen wurde an einem einzigen Tag, wenn die einen Sorten schon etwas überreif, die anderen noch unreif und die dritten genau richtig waren.

Dieses Herstellungskriterium erklärt auch, warum der Gemischte Satz kein Rebsortenwein, sondern ein Herkunftswein ist. Das Geschmacksbild definiert sich nicht aufgrund einer geregelten Zusammenstellung (wie bei Cuvées), sondern nur aufgrund der Tradition und Erfahrung, was im konkreten Weingarten am besten miteinander funktioniert.

Die von öffentlicher Hand stark geförderte Umstellung auf reinsortige Auspflanzung zu Beginn der 60er Jahre sorgte für ein Ende des Gemischten Satzes in jenen Gebieten, wo der Weinbau industrialisiert werden konnte. In Wien, wo die Strukturen klein bis winzig klein waren, blieben viele der alten Anlagen bestehen – das Heurigenpublikum verlangte weiterhin den gewohnten „feurigen Grinzinger“, den mineralischen Nussberger oder den leichteren Sieveringer.

Marketingtechnisch ließen sich diese Weine schwer verkaufen, somit ging es mit dem Image des Gemischten Satzes bergab, er galt gegenüber reinsortigen Weins als Resteverschnitt.

In einem Glas – Wiener Vielfalt  zum Genießen

Glücklicherweise sieht das mittlerweile anders aus. Der Gemischte Satz gilt als Spiegel des Charakters, der ihn zog und pflegte. Der Winzer entscheidet über die Zusammenstellung der Rebsorten, lotet aus, was seinen Lieblingswein ausmacht. – Nur ein Wein, der aus mindestens drei Rebsorten besteht, die noch dazu aus ein und demselben Wiener Weingarten stammen, darf sich „Wiener Gemischter Satz“ nennen.

WienWein - Copyright Raimo Rudi Rumpler

WienWein - Copyright Raimo Rudi Rumpler

Engagierte Wiener Winzer, wie zum Beispiel die Gruppe „WienWein“ (Christ, Cobenzl, Edlmoser, Mayer am Pfarrplatz & Wieninger) hielten und halten den Gemischten Satz hoch in Ehren, modernisierten die internen Konzepte und bewahren die traditionelle Basis. Das schöne Ergebnis beschert individuellen Trinkspaß und variantenreichen Genuss auf höchstem Niveau.

Eine schöne Überschrift zum Gemischten Satz, die ich gerne zitieren möchte, hat Florian Holzer (freischaffender Autor und Kolumnist für österreichische und internationale Publikationen wie Falter, À la Carte, Kurier, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, Süddeutsche Zeitung u.v.v. ) in der A la Carte-Edition Wiener Wein kreiert:

„Mischen is possible“!

Beim Wiener Gemischten Satz trifft das zu 100 % zu!

Bildquellen: © Wien Tourismus Louis Lammerhuber; © Raimo Rudi Rumpler.